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Voith zieht sich aus Bieterverfahren für Airbus-Werke zurück

Geschrieben am Freitag, 15. Februar 2008
HEIDENHEIM (dpa) - Der Anlagenbauer Voith hat sich aus dem Bieterverfahren für die zum Verkauf stehenden deutschen Airbus-Werke zurückgezogen. Damit bleiben noch vier Bewerber im Rennen. Das Familienunternehmen sehe keine Möglichkeit, ein tragfähiges Konzept zu entwickeln, das den Vorstellungen beider Seiten gerecht werde, sagte Voith-Chef Hermut Kormann am Dienstag in Heidenheim. Grund seien unterschiedliche Ansichten über den Zeitplan für die Werksübernahme.Branchenkreisen zufolge war Voith an den Airbus-Werken Varel und Nordenham (beide Niedersachsen) interessiert sowie dem EADS-Standort Augsburg, der vor allem Airbus zuliefert. Voith galt als aussichtsreicher Bieter, unter anderem weil die Bundesregierung anstrebe, die Standorte in deutscher Hand zu halten.

EADS will sich von 6 der 16 Airbus-Werke sowie dem Standort Augsburg trennen. Die verbliebenen Bieter sind das US-Unternehmen Spirit sowie GKN (Großbritannien), Latécoère (Frankreich) und MT Aerospace, das zum OHB-Konzern in Bremen gehört. In den zum Verkauf stehenden Werken sollen auch Teile der geplanten Airbus A350 gebaut werden. Angesichts der zehn Milliarden Euro teuren Entwicklung der A350 will der Konzern die Risiken auf mehrere Schultern verteilen. Aus diesem Grund hat das Unternehmen das Sparprogramm "Power8" aufgelegt, das auch die Werksverkäufe umfasst.

Airbus respektiere die Entscheidung von Voith, sagte Sprecher Tore Prang. "Wir verhandeln jetzt weiter mit je zwei Parteien für jeden Standort." Für jeden Standort gebe es zwei Bieter und die Verhandlungen seien weit fortgeschritten. Eine Entscheidung stehe allerdings noch nicht an.

Voith-Aufsichtsratschef Michael Rogowski sagte, EADS sei am Montagabend über den Schritt informiert worden, sich aus dem Bieterverfahren zurückzuziehen. "Wir bedauern, dass das Thema Airbus/EADS nicht weitergeführt wird." Voith sei allerdings auf langfristige Partnerschaft mit schrittweiser Kapitaleinbringung aus gewesen, während die Airbus-Mutter EADS "verständlicherweise" schnell sein Kapitalengagement reduzieren wolle. Ein Voith-Sprecher sagte der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX, sein Unternehmen habe mehr als die in der Presse genannten zwei Jahre Kooperation mit Airbus angestrebt. "Wir haben viel Erfahrung mit Partnerschaften und bevorzugen langfristige Bindungen."

Rogowski sagte weiter, er sei bei der vergangenen Sitzung des EADS-Aufsichtsrates zurückgetreten, weil er einen Interessenkonflikt zwischen seinen Ämtern bei EADS und Voith gesehen habe.
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