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EADS-Affäre: Gallois will Aktienoptionen abschaffen

Geschrieben am Freitag, 15. Februar 2008
PARIS (dpa) - Nach dem Skandal um vermutete Insidergeschäfte mit EADS-Aktien will Konzernchef Louis Gallois (Foto) die umstrittenen Aktienoptionen abschaffen. Stattdessen könne man den Managern Gratisaktien als Gehaltsergänzung geben, sagte Gallois der französischen Tageszeitung "Le Monde" (Mittwochausgabe). Die Manager dürften zudem nicht frei darüber bestimmen können, wann sie diese Aktien verkaufen. "Für mich sind Aktienoptionen für Manager ein fragwürdiges System, das an eine Lotterie erinnert."Ein in der Presse lancierter Zwischenbericht der französischen Börsenaufsicht AMF hat den Verdacht genährt, die EADS-Führung und die Großaktionäre Lagardère und DaimlerChrysler hätten Ende 2005 und Anfang 2006 mit Insiderwissen über Probleme der Konzerntochter Airbus lukrative Aktiengeschäfte gemacht. Airbus-Chef Thomas Enders warf der AMF daraufhin "Rufschädigung" vor und drohte mit einer Klage. Gallois betonte hingegen, EADS werde mit der AMF kooperieren. "Es gibt individuelle Aktionen, die jeder beschließt, um sich zu verteidigen, und es gibt die Aktion des Konzerns: Wir arbeiten vollständig mit der AMF und der Justiz zusammen."

Die Staatsbank Caisse des Dépots et Consignations (CDC), die im Frühjahr 2006 einen EADS-Anteil von 2,25 Prozent von Lagardère gekauft hatte, wies Vorwürfe zurück, sie habe auf Anordnung der Regierung gehandelt. Der Kurs der EADS-Aktie war im Juni 2006 nach Bekanntwerden der Probleme bei der Airbus-Fertigung um mehr als ein Viertel eingebrochen. Die CDC hat wegen des Wertverlustes 126 Millionen Euro zurückgestellt. Vertreter von Kleinaktionären kritisieren, der Deal zu einem erhöhten Kurs habe Steuerzahlern und Kleinaktionären geschadet. Ex-Präsidentschaftskandidat François Bayrou sprach von einer "Staatsaffäre".

CDC-Generaldirektor Augustin de Romanet - der damals Vizegeneralsekretär im Élyséepalast war - sagte vor dem Finanzausschuss des Parlaments, die Bank habe zu jedem Zeitpunkt "autonom gehandelt". Die Pariser Zeitung "Le Monde" hatte berichtet, die Regierung habe den Beschluss der Staatsbank CDC vom 28. März 2006 "genehmigt", die Anteile zu kaufen. Sie beruft sich dabei auf ein Protokoll des CDC-Aufsichtsrates vom 12. Juli 2006.

Die neue Pariser Regierung lässt das Verhalten ihrer Vorgängerin prüfen. Präsident Nicolas Sarkozy - der im Mai das Amt seines Vorgängers Jacques Chirac übernommen hat - drang am Montagabend auf eine komplette Aufklärung. "Am Ende der Untersuchung möchte ich wissen, welche Verantwortung der Staat in dieser Sache getragen hat." Diejenigen, die sich im Konzern des Betrugs schuldig gemacht hätten, müssten bestraft werden im Verhältnis zum angerichteten Schaden. Das Gleiche gelte für die Aktienoptionen. Jeder müsse davon in gerechter Weise profitieren können.

Gallois zufolge beträgt bei der Managervergütung bei EADS der Anteil der Aktienoptionen 20 Prozent, der Rest sind Gratisaktien. Er werde dem Verwaltungsrat die komplette Abschaffung der Aktienoptionen vorschlagen, sagte Gallois. Stattdessen müsse der Anteil der Gratisaktien auf 100 Prozent hochgeschraubt werden.
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